Schmerzen der Lendenwirbelsäule, des Becken und der Hüfte

Schmerzen im unteren Rückenbereich treten meist nach einseitigen körperlichen Belastungen, nach längerem Sitzen oder Stehen oder nach längeren Autofahrten auf. Auch nach ungewohnt längerem Liegen kann es zu einem Schmerz der unteren Wirbelsäule kommen. Bei Schmerzen, die in das Gesäß ausstrahlen, kann eine Verspannung der tiefen Gesäßmuskulatur, eine Reizung des Iliosakralgelenks (Verbindung Wirbelsäule/Becken) oder eine Veränderung des Hüftgelenks für die Schmerzen verantwortlich sein.

Bei einer akuten Schmerzhaftigkeit, die mit einer starken Bewegungseinschränkung einhergeht, spricht man von einem Hexenschuss oder einer akuten Ischialgie (Schmerzen entlang des Ischiasnervs). Hierbei kann es auch zum Ausstrahlen der Schmerzen in den Oberschenkel kommen. Die Ursachen eines Hexenschusses sind vielfältig, Muskelverkrampfungen, kleine Wirbelblockierungen, aber auch Irritationen des Ischiasnervs oder Bandscheibenschäden können diese plötzliche Rückensteifigkeit hervorrufen. Bei diesen Beschwerden sollte immer eine weitere ärztliche Untersuchung erfolgen.

Verhärtete und verkrampfte Muskeln im Lendenbereich

Der untere Rücken und die Lendenwirbelsäule sind die Bereiche, die am häufigsten von Schmerzen betroffen sind. Durch Bewegungsmangel, Schwäche der Rückenmuskulatur, Fehlbelastungen bei längerem Sitzen und Arbeiten, durch Abschwächung der stabilisierenden Bänder, Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben und Irritationen der aus dem Rückenmark austretenden Nerven können dabei Schmerzen ausgelöst werden.

Bei Schmerzen, die im Übergang zum Becken und Hüftgelenk auftreten und sich mehr auf einer Seite lokalisieren, muss geprüft werden, ob der Schmerz von den Wirbelkörpern, der Bandscheibe oder dem verbindenden Gelenk zwischen Wirbelsäule und Becken ausgeht.

Bei Arthrose der kleinen Wirbelgelenke bestehen dumpfe Schmerzen, die nach längerem Stehen, Sitzen oder Liegen auftreten.

Symptome

Schmerzhaftigkeit, Verspannungen und Steifigkeit der Lendenregion sind die häufigsten Symptome. Oft kommt es bei leichter körperlicher Bewegung zu einem Rückgang der Schmerzen. Wenn es bei längerer Belastung zu einer erneuten Schmerzzunahme kommt, spricht dies für eine Muskelschwäche oder Abnutzungserscheinungen der Wirbelgelenke oder der Bandscheiben. Schmerzen, die genau in der Mitte des Rückens über den hinteren Fortsätzen der Wirbelkörper auftreten, können durch Entzündung ausgelöst werden und verstärken sich durch langes Sitzen. Das Nach-vorn-Beugen und -Strecken wird dann als entlastend und schmerzlindernd wahrgenommen.

Bei Schmerzen, die im Übergang zum Becken und Hüftgelenk auftreten und sich mehr auf einer Seite lokalisieren, muss geprüft werden, ob der Schmerz von den Wirbelkörpern, der Bandscheibe oder dem verbindenden Gelenk zwischen Wirbelsäule und Becken ausgeht.

Bei Arthrose der kleinen Wirbelgelenke bestehen dumpfe Schmerzen, die nach längerem Stehen, Sitzen oder Liegen auftreten.

Selbstcheck

Beobachten Sie zunächst einmal Ihre Haltung im Sitzen und Stehen. Stellen Sie sich vor einen Spiegel oder bitten Sie Ihre Partnerin/Ihren Partner, sich Ihren Rücken anzusehen. Wie ist es um die Symmetrie bestellt? Stehen beide Schultern gleich hoch? Haben Sie das Gefühl, dass das Becken auf einer Seite etwas tiefer steht?

Beobachten Sie auch einmal die Krümmung Ihres Rückens und versuchen Sie die Krümmung im unteren Rücken etwas zu vergrößern (Hohlkreuz) oder einmal den Rücken im unteren Bereich ganz gerade zu machen (Flachrücken).

Bücken Sie sich mit gestreckten Beinen vorsichtig nach vorn und versuchen Sie mit den Fingerspitzen den Boden zu erreichen. Bei guter Dehnfähigkeit der Muskulatur und guter Beweglichkeit der Wirbelsäule erreichen Sie mit den Fingerspitzen den Boden. Der Abstand zwischen Fingerspitzen und Boden sollte aber nicht größer als 15-20 cm sein.

Sollte es beim Beugen nach vorn zu einschießenden oder zunehmenden Schmerzen kommen, bitte nicht weiter nach vorn neigen, sondern zunächst einen Arzt konsultieren, ebenso, wenn es bei Husten oder Niesen zu einer Schmerzverstärkung kommt. Prüfen Sie das Neigen zur Seite, indem Sie mit der Hand an der Oberschenkelaußenseite

nach unten fahren, und beobachten Sie, ob Ihnen dies auf beiden Seiten gleich weit gelingt.

Wenn es bei diesen Untersuchungen zu Schmerzen kommt, prüfen Sie auch, ob Sie dies nur in einer Richtung auslösen können oder ob generell in der Beugung oder Streckung Schmerzen entstehen. Prüfen Sie auch einmal, ob sich eine Änderung der Beweglichkeit nach Durchführung der Übungen feststellen lässt.

Mögliche Ursachen

Die wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten Jahre konnten zeigen, dass die Bedeutung der Bandscheibe als Ursache von Rückenschmerzen doch nicht so ausgeprägt ist, wie oftmals angenommen. Es konnte gezeigt werden, dass

bei vielen Menschen Bandscheibenveränderungen, ja sogar Bandscheibenvorfälle vorliegen, ohne dass der Körper darauf mit Schmerzen reagiert oder eine Bewegungs- oder Belastungseinschränkung entsteht. In anderen Fällen konnte trotz stärkster Rückenschmerzen keine Veränderung der Bandscheibe oder der umgebenden Nerven gefunden werden. Ausführliche Untersuchungen, die auch Arbeitsbedingungen, Lebensweisen und negative Stressfaktoren berücksichtigten, zeigen, dass gerade bei Rückenschmerzen meist viele Faktoren zusammenwirken müssen, um Beschwerden auszulösen. Manchmal besteht eine verminderte Belastbarkeit der Rückenmuskulatur und des stabilisierenden Band- und Halteapparates. Dann kann es schneller durch Bewegungsmangel, langes Sitzen, durch zusätzlichen Stress oder ungewohnte Bewegungen zu Schmerzen kommen. Auch wenn Sie früher regelmäßig Sport

betrieben haben und jetzt berufs -oder familienbedingt nicht mehr zur Ausübung des Sports kommen, kann es sein, dass die vorher trainierte Muskulatur eher zu Verspannungen und Beschwerden neigt. Auch der morgendliche Rückenschmerz, der sich am Wochenende nach längerem Liegen verstärkt und Sie früher aufstehen lässt, als Sie eigentlich möchten, ist meist das Zeichen einer verminderten Muskelspannung. Dieser Schmerz reduziert sich nach einem Bewegungs- und Muskeltraining innerhalb weniger Wochen.

Auch bei regelmäßigem Fitness- oder Krafttraining kann es zu Rückenbeschwerden kommen. Dies ist oft der Fall, wenn nur eine bestimmte Sportart, ein einseitiges Krafttraining mit zu hohen Gewichten oder zu häufige Wiederholungen der gleichen Übung betrieben werden. Weitere Ursachen können aus dem Bereich der inneren Organe oder des Beckens (chronischer Beckenschmerz) kommen. Bei Störung der Organe, z. B. des Darmes, der Niere oder der Beckenorgane (Blase, Gebärmutter, Eierstöcke), können über Reflexe Verspannungen der Rückenmuskulatur auftreten.

Nicht zuletzt spielt Stress eine wichtige Rolle. Termindruck, hohe Anforderungen und Tendenz zum Perfektionismus erhöhen die Muskelspannung, vermindern die Entspannung und können so schneller zu Bandscheibenverschleiß und chronischen Verspannungen führen.

In die Beine ausstrahlende Schmerzen, Einschlafen der Beine oder Füße

Med.: Lumbo-Ischialgie = Schmerzen entlang des Ischiasnervs von der Lendenwirbelsäule ins Bein ausstrahlend;

Med.: Lumbago = Schmerzen der Lendenwirbelsäule

Schmerzen, die vom unteren Rücken in das Bein ausstrahlen, können durch Muskelverspannungen, Veränderungen an den Bandscheiben oder den kleinen Wirbelgelenken ausgelöst werden. Aber auch bei Verschleiß der umgebenden Gelenke oder Verspannung der Muskeln kann ein Schmerz in das Bein ausstrahlen. Am bekanntesten ist der Hexen-schuss. Hierbei kommt es zu einer plötzlichen Rückensteife, die mit oder ohne Ausstrahlung in die Beine auftreten kann.

Allein dieses Symptom sagt aber noch nichts über die Ursache aus, sodass bei akuten Schmerzen immer ein Arzt konsultiert werden sollte.

Damit die Muskulatur im Alltag vom Körper optimal eingesetzt werden kann, benötigt sie Kraft, um den Oberkörper zu stabilisieren und aufrecht zu halten. Die Muskulatur benötigt aber auch Schnelligkeit und Koordination, um auf kleinere Bewegungen ausgeglichen zu reagieren. Aus diesem Grund ist es wichtig, neben einem Krafttraining immer auch ein leichtes Koordinationstraining hinzuzunehmen. Genauso ist es umgekehrt wichtig, bei einem überwiegend koordinativen Training wie in Fitness-Kursen oder bei Ballsportarten ein Krafttraining der Rückenmuskulatur zu absolvieren.

Symptome

Die Schmerzen sind neben oder genau auf der Wirbelsäule lokalisiert und strahlen zum seitlichen Becken, in die Pomuskulatur, in den Ober- oder Unterschenkel oder sogar bis zur großen Zehe aus. Das Aufstehen, das Sitzen oder auch das Gehen sind schmerzhaft. In einer entspannten Liegeposition mit hochgelagerten Beinen kommt es oft zu einer Schmerzlinderung. Bei weniger akuten Beschwerden ist erst das längere Sitzen und Stehen schmerzhaft, bei längerem Gehen kann es zu einer Linderung der Schmerzen kommen.

Mögliche Ursachen

Ausstrahlende Schmerzen, besonders wenn sie über den seitlichen Oberschenkel oder die Rückseite des Oberschenkels ausstrahlen, können das Zeichen einer Nervenirritation sein. Da die unteren Rückenmarksnerven bei ihrem Ausgang aus der Wirbelsäule durch die Rückenmuskulatur ziehen, kann eine Muskelverspannung einen ähnlichen Schmerz auslösen wie der Druck durch einen Bandscheibenvorfall. Auch Blockierungen des Gelenks zwischen Hüfte und Wirbelsäule (Iliosakralgelenk) können durch eine reflexartige Verspannung der umgebenden Muskulatur zu einer Schmerzausstrahlung führen.

Übungsbeispiel:
Hubfreie Mobilisation der Lendenwirbelsäule (S.92)

Ziel: Mobilisation der Lendenwir­belsäule Übungsbeschreibung:

  • Winkeln Sie in der Seitenlage die Beine etwa 45 Grad an und legen Sie ein Handtuch unter die Taille.
  • Kippen Sie in kleinen, langsamen Bewegungsausschlägen das Becken 30 Sekunden lang nach vorn und nach hinten.
  • Nach einer Erholungspause von 10 Sekunden wiederholen Sie die Übung 3-4-mal.

 

Wahrnehmung:
Sie spüren die Beckenbewegungen und Wärme im Beckenbereich.

Übungshinweise:

  • Hubfrei bedeutet, die Bewe­gungsachse steht vertikal, und  die Muskeln müssen nicht gegen die Schwerkraft arbei­ten.
  • Das Hin- und Herbewegen fördert die Durchblutung in der verkrampften Region, vergrößert schonend das Bewegungs­ausmaß und hilft, Bewegungen wieder einzuschleifen.
  • Halten Sie den Kopf in Verlän­gerung der Wirbelsäule.
  • Eine hubarme Variation ist die bekannte Beckenbewegung im Vierfüßlerstand (Pferderücken - Katzenbuckel).

 

Fehlerquellen:
Bewegungsdurch­führung zu hektisch, Handtuch in der Taille im Durchmesser zu groß

 

 

Weitere Übungsbeispiele im Buch

Verhärtete und verkrampfte Muskeln im Lendenbereich

  • Massage durch den Partner S. 112
  • Beweglichkeit Zwerchfell- Zwerchfelllift S. 90
  • Schmerzbehandlung und Entspannung-Traktion S. 70
  • Dehnung der unteren Rückenmuskulatur S. 70
  • Dehnung tiefe Gesäßmuskulatur S. 98
  • Dehnung und Entspannung Kiefergelenk S. 94
  • Mobilisation Nervensystem- “Slump-Test“ S. 101
  • Hubfreie Mobilisation der Lendenwirbelsäule S. 92
  • Ansteuerung der Beckenbodenmuskulatur S. 106
  • Ansteuerung der vorderen stabilisierenden Muskulatur S. 104
  • Ansteuerung der hinteren stabilisierenden Muskulatur S. 105
  • Ansteuerung der Ganzkörperspannung- Vierfüßlerunterarmstütz S. 107
  • Ansteuerung der Ganzkörperspannung “Türdrücken“ S. 108

In die Beine ausstrahlende Schmerzen, Einschlafen der Beine oder Füße

  • Traktion S. 71
  • Mobilisation Nervensystem -«Slump-Test» S. 101
  • Schmerzbehandlung und Entspannung S. 70
  • Hubfreie Mobilisation der Lendenwirbelsäule S. 92
  • Dehnung tiefe Gesäßmuskulatur S.98
  • Ansteuerung der Beckenbodenmuskulatur S. 106
  • Ansteuerung der vorderen stabilisierenden Muskulatur S. 104
  • Ansteuerung der hinteren stabilisierenden Muskulatur S. 105
  • Ansteuerung der Ganzkörperspannung - Vierfüßlerunterarmstütz S. 107
  • Ansteuerung der Ganzkörperspannung - «Türdrücken» S. 108

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Fragen und Antworten

von zelder am 08.02.2018

beim liegen treten starke schmerzen im lws-bereich auf die in die beine und bis zum nacken hin ausstrahlen.ich hatte sch...

...on früher Probleme mit dem isg.jetzt hat schmerzintensität zugenommen. vielleicht könnmen sie mir einen rat geben.

Antwort von Dr. Marco Gassen

Hallo,

Das kann natürlich sehr viele Ursachen haben, so dass ich Ihnen hier nichts konkretes empfehlen kann. Bitte lassen Sie es zunächst vom Hausarzt untersuchen, der kann dann entscheiden ob weitere Untersuchungen erforderlich sind.

von Petra neumann am 11.12.2017

Ich habe seid 2013 Beschwerden in die Hüfte das rechte bei. Ist mit 2mm kurzer ischa Nerv seid dem eingeklemmt seid 2013...

... das zweite mal Hexenschuss wie schlimm kann das werden immer nur MRT seit dem jeden Tag haftige schmerzen

Antwort von Dr. Marco Gassen

Hallo,
ich habe ihre Nachricht nicht ganz verstanden, wenn der Ischiasnerv stark eingeklemmt ist, muss evtl. eine Operation erfolgen. Bitte lassen Sie sich dringend von einem Neurologen untersuchen!
Gute Besserung!

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